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Crocs - ein hartnäckiger Trend mit Zeitgeistflair

Jeder kennt ihn, manche haben und lieben ihn und manche verwenden viel Zeit darauf, ihn leidenschaftlich zu hassen. Die Rede ist von Crocs, den Erfolgsschuhen der Nullerjahre, deren Trend nicht mehr aus der Schuhbranche wegzudenken ist. Manche reden mittlerweile sogar vom Croc als Kulturgut. Dieser Schuh hat einen ähnlich rasanten weltweiten Aufstieg geschafft wie zuletzt die Zehentrenner. Doch wie kommt ein Schuh zu einem so weltumspannenden Erfolg?

Die Gründer der Crocs - Seamans, Hanson und Boedecker - hätten sich 2002, als sie sich bei einem Segelurlaub für die gemeinsame Produktion dieser neuartigen und leichten Schuhe entschieden hatten, diesen anhaltenden Trend sicherlich nicht ausmalen können.

Zunächst einmal muss ihnen jedoch klar gewesen sein, dass es sich lohnen würde, einen solchen Schuh auf den Markt zu bringen, da er über einige Vorteile gegenüber allen bisherigen Schuhmodellen verfügt. Das Material, aus dem Crocs gefertigt werden, ist ein neuartiger Kunststoff namens PCCR (Proprietary closed-cell resin). PCCR ist ein Schaumharz, das sehr leicht ist, und gerade das macht einen Großteil des gepriesenen Tragekomforts aus – denn die Trendtreter wiegen im Schnitt (je nach Modell variierend) ca. 170 g.

Die weitaus interessantere Neuerung, wenn man sich PCCR ansieht, ist sicherlich der unporöse Charakter des Kunststoffmaterials. Er hat zur Folge, dass Crocs im Vergleich zu anderen Kunststoffschuhen keine Geruchsbildung fördern. Bakterien brauchen einen porösen Boden, auf dem sie sich ungehindert verbreiten können. Ohne diese Grundlage bleibt der Fuß im bunten Kunststoff bakterien- und somit auch geruchsfrei. Die vielen Löcher an der oberen Frontseite des Schuhs helfen dabei zusätzlich, Schuh und Fuß gut zu lüften.

Genial einfach oder ästhetischer GAU?

Alles in allem ein idealer Schuh für die Bootsfahrt, dachten sich die Hersteller und fokussierten sich zunächst auf Bootsmessen, um die ersten Crocs an den Bootsfahrer zu bringen. Innerhalb kürzester Zeit wurden die Schuhe auf den Messen zum Renner und der Trend war geboren. Die Ambivalenz, die es heute noch in Bezug auf Crocs gibt, soll es bereits in den ersten Jahren gegeben haben.

So hallten Rufe durch das Messegelände, die dem Schuh jedes Mindestmaß an Ästhetik absprachen, gekontert von bereits glühenden Verehrern, die die Kritiker dazu aufforderten, doch einmal selbst in die Kunststofftreter zu schlüpfen und sich überzeugen zu lassen. Das Tauziehen der Meinungen und gespaltenen Lagern hat den Aufstieg zum Trendschuh also stets begleitet. In jedem Falle kann man sagen, dass es noch nie ruhig um Crocs gewesen ist. Vielleicht macht ja diese explosive Mischung einen Teil des Erfolgs aus(?).

Nachdem der Croc über seinen Nutzen in der Bootsfahrt hinaus entdeckt worden war, gab es keinen Halten mehr. Berufsfelder, die sehr viel Stehen und Laufen über einen längeren Zeitraum erfordern, haben Crocs sehr schnell in ihren Alltag integriert. So sind vor allem Kellner und ähnliches Servicepersonal sehr dankbar über die vergleichsweise ausgeruhten Füße am Abend. Eine Anpassung des Materials durch Erwärmung beim Tragen an den Fuß des Trägers schraubt den Tragekomfort besonders hoch.

Crocs in der Medizin

Mittlerweile wird getestet, ob sich Crocs auch in anderer Hinsicht für einen medizinischen Nutzen weiterentwickeln lassen. So soll ein Schuh mit integrierten Noppen im Fußbett die Durchblutung fördern und auf diese Weise Diabetikern helfen, die oftmals unter einer stark schwankenden Durchblutung leiden. Hier wird man sehen, wie sich dieser sagenhaft leichte und fußfreundliche Schaumharzschuh in den nächsten Jahren etablieren kann.

Individualität dank Jibbitz

Bei alle dem wird trotzdem nicht ersichtlich, was einen solchen Boom der Crocs hervorgebracht hat und was genau den anhaltenden Trend ausmacht. Es gibt viele Schuhe und Schuhmarken, die bequem sind, eine gesunde Fußhaltung unterstützen und zudem nicht sonderlich teuer sind. Die meisten solcher Schuhe sind für eine gewisse Zeit “in” und dann ebbt das Interesse irgendwann ab.

Der Komfort dieser Schuhe hat schon die schärfsten Kritiker sanftmütig gestimmt, doch vielleicht gibt es noch einen weiteren Punkt, den man zu den bereits aufgezählten Argumenten für den Erfolg der Crocs hinzufügen kann:

Sie sind individualisierbar und können von Tag zu Tag nach Lust und Laune umgestaltet werden. Jibbitz heißen die kleinen Anstecker, die man vorn in die Durchlüftungslöcher pinnen kann. Und man kann zumindest mutmaßen, dass vielleicht durch die Jibbitz dem Wunsch entsprochen werden kann, einem Gruppenphänomen anzugehören ohne dabei als Individuum unterzugehen. Zumindest entspricht diese Kombination aus Einzelgängertum und der Sehnsucht nach Gemeinschaft einer sehr präzisen Beschreibung des modernen Menschen.

Es geht weiter

Was das Geheimnis hinter den Crocs auch genau sein mag, sie werden so schnell nicht wieder aus unserer Lebenswelt verschwinden. Im Moment wird die Produktpalette ständig erweitert, um auch die kritisch eingestellten Ästhetiker zu besänftigen. Es gibt beispielsweise neuerdings Damen-Ballerinas oder auch Gummistiefel für Kinder. Und da heißt es: anprobieren und danach ein Urteil bilden. Wer weiß, vielleicht findet man sich plötzlich auf der Seite der glühenden Crocsverehrer wieder ...